Hilfe, mein Toaster brennt!

Hilfe, mein Toaster brennt!

Der europäische Verbraucher-Podcast

Transkript

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00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Hilfe, mein Toaster brennt! Heute geht es um das Thema Gaming. Genauer gesagt um das Thema In-App-Käufe, In-Game-Käufe und Lootboxen. Vor allem letztere müssen sich immer ein bisschen gefallen lassen, dass sie mit Glücksspiel verglichen werden. Ob das stimmt und worauf man achten sollte, darum geht es heute. Deswegen bleib dran.

00:00:18: Intro

00:00:30: Bevor wir aber anfangen mit der Folge, noch ganz liebe Grüße gehen raus an Nina. Nina ist heute nämlich leider nicht da. Sie genießt ihren wohlverdienten Sommerurlaub. Da wollen wir liebe Grüße an Dich schicken. Erhole Dich gut und komm gesund und munter zurück. Nichtsdestotrotz freue ich mich heute bei mir als Gast zu haben, die Madeline.

00:00:51: Hi.

00:00:53: Schön, dass Du da bist, dass Du Dir die Zeit genommen hast. Du bist Juristin bei uns.

00:00:57: Genau! Ich freue mich hier zu sein.

00:00:58: Und bist auch leidenschaftliche Gamerin.

00:01:00: Ja, sehr gerne.

00:01:01: Was zockst Du denn gerne?

00:01:02: Also, aktuell spiele ich tatsächlich sehr gerne: It Takes Two. Ich bin nicht der Ego-Shooter-Typ, weil ich einfach nie reingekommen bin, in Zielen und es stresst mich. Nee, ich bin so der Adventure oder Strategie-Typ.

00:01:19: Das ist doch das mit diesen zwei kleinen Figürchen, wo Du so in dieser Erdwelt bist. Oder ich weiß nicht genau.

00:01:25: Mhm. Genau. Es ist ein total süßes Universum. Alles total niedlich gemacht und man hat ganz viele verschiedene Spielmechaniken. Und ja, das Spiel ist auch relativ lang erstaunlicherweise. Ich habe zuerst gedacht das wäre super schnell durchgespielt und so, aber nee. Und die Levels, das Level-Design ist einfach total schön.

00:01:40: Ich hab es ab und zu mal auf Twitch gesehen, auf YouTube. Da haben viele Youtuber und Streamer zusammen gezockt und haben Squad-Stream gemacht. Cool! Hast Du sonst eine Lieblings-Plattform?

00:01:52: Ich finde die Switch echt gut. Ich finde die Switch echt eine gelungene Konsole. Gerade auch, weil sie mit Freunden oder Familie auch gut zu nutzen ist. Aber ansonsten muss ich sagen, komme ich immer zum PC zurück letztendlich.

00:02:03: Ja. Der PC ist halt schon das Urgestein des Gamings. Heute geht es aber nicht um unsere Lieblingsspiele, sondern um das Thema In-App-Käufe und vor allem auch die Gefahr natürlich für Kinder und Jugendliche, die da mal schnell in der Kostenfalle landen können. Was genau sind eigentlich In-App-Käufe?

00:02:19: In-App-Käufe, im Prinzip sagte es schon der Name, das sind Käufe, die man innerhalb der App oder innerhalb des Spiels tätigt. Das kann man heutzutage auf der Konsole, auf dem Handy, auf dem PC kennt man es. Das gibt es zum Beispiel bei den bekannten Spielen FIFA oder Clash of Clans gibt es diese Käufe. Also entweder es sind Pay-to-Win-Käufe. Also man zahlt, um schneller weiterzukommen, um bessere Waffen zu haben, um einen Vorteil zu haben. Vielleicht die Spiel-Währung zu kaufen, sich reich zu kaufen sag ich mal. Oder es sind einfach In-App-Käufe, die der Ästhetik dienen. Dem individuellen Design des Charakters. Also es sind Käufe, die man innerhalb des Spiels dann tätigt.

00:02:56: Pay-to-Win, Du hast es eben angesprochen, also In-App-Käufe und Pay-to-Win, das läuft ja immer so ein bisschen Hand in Hand. Es steht auch immer wieder in der Kritik. Du kaufst Dir natürlich auch in gewissem Maße einen bestimmten Spielvorteil.

00:03:07: Ganz genau. Und wenn man aktuell die Ausgaben anschaut, sieht man, dass die Unternehmen letztendlich mehr Gewinn durch diese In-App-Käufe machen, als durch den Kauf des Spiels an sich. Deswegen gibt es ja inzwischen auch sehr, sehr viele vermeintlich kostenlose Spiele. Kostenlose Handy-Spiele sind sehr beliebt, wo man dann im Prinzip auch das Spiel kostenlos durchspielen könnte, aber da werden dann halt im Spiel Elemente, Anreize eingebaut damit der Spieler dann entweder frustriert wird oder in irgendeiner Weise halt animiert wird zum Kauf.

00:03:40: Ich denke man kennt das, ohne jetzt wertend zu sein. Egal, welches Spiel ich kenne es zum Beispiel extrem bei Candy Crush. Level 300 irgendwas. Dann sitzt Du eine Woche dran und denkst: Ah! So scheiße. Ich komme einfach nicht weiter. Und dann irgendwie eine Woche später, wie als ob nichts gewesen wäre, kommst Du durch. Also da werden schon, unabhängig von Candy Crush, das betrifft alle bzw. die meisten Free-to-Play-Spiele, wie man solche kostenlose Spiele nennt. Da werden einfach Frustmomente gesetzt, um eben auch so einen Anreiz zu bieten. Kauf doch lieber ein Level mehr oder noch ein Extra-Leben dazu, sodass Du es einfach nochmal probieren kannst.

00:04:15: Die Preise sind auch total gering. So ein paar Cent oder ein paar Euro. Ach, das kann man doch mal schnell ausgeben für ein Level, für ein Leben. Das werden dann horrende Summen am Ende des Monats, wenn man nicht aufpasst, weil man eben denkt, das ist eine kleine Summe. Das kann ich mal schnell ausgeben. Und dann wird mit Angeboten gelockt: "Jetzt 20 Prozent günstiger!", "Nur noch 3 Stunden! Schlag jetzt zu!"

00:04:37: Ich finde es ein bisschen schade, weil ich ja selbst oder weil wir beide ja selbst gerne zocken. Und ich finde, es ist schon eine komische Entwicklung. Du hast tatsächlich sehr viele kostenlose Spiele auf dem Markt. Sei es ein Call of Duty, Fortnite. Da gibt es so viele Beispiele. Candy Crush, Clash Royale und wie sie alle heißen. Und ich finde es irgendwie ein bisschen, Du hast es angesprochen, dass die Entwickler mittlerweile viel mehr Geld durch diese In-App-Käufe einnehmen. Ich glaube 2019 waren es 2,25 Milliarden Euro alleine in Deutschland. Und früher hast Du Dir ein Spiel gekauft. Hattest da einfach alles mit dabei, weil man muss sich ja auch im Klaren sein. Solche In-App-Käufe bzw. In-Game-Käufe, was eben das Pendant dazu ist, wenn Du es im Spiel kaufst. Die meisten Inhalte sind ja schon in dem Spiel mit drin. Aber Du kaufst Dir einfach nur noch so diesen Code dazu, dass ebendieses Ding freigeschaltet wird. Und ich finde, das ist irgendwie eine komische Entwicklung.

00:05:27: Ja, und es ist unheimlich lukrativ. Deswegen geht es auch immer weiter in die Richtung. Was ich schade finde ist, wenn ein Spiel entwickelt wird. Also die Entwickler:innen, die müssen natürlich entweder darauf achten: Ich möchte ein super Spielerlebnis haben. Ich möchte, dass man das Spiel kauft. Auch wenn aktuell die Spiele 60 Euro kosten ungefähr. Möchte ich, dass das Spielergebnis so gut ist und ich da mein Augenmerk draufsetze damit die Leute das spielen wollen, sich kaufen wollen. Vor allem sich gegenseitig davon erzählen. Oder möchte ich die Anreize stellen, dass es dadurch lukrativ wird, dass In-App-Käufe getätigt werden. Weil wenn ich darauf angewiesen bin, weil für das Spiel an sich kein Geld ausgegeben wurde, dann ist mein Augenmerk natürlich darauf die Frustration zu erhöhen oder halt die Käufe zu produzieren.

00:06:18: Wir schauen, wo das hin das führt, aber die Entwicklung vieler Studien zeigen ja in die Richtung, dass es eben immer mehr in diese Richtung geht: In-App-Käufe und In-Game-Käufe. Aber gut. Deswegen sind wir jetzt heute hier, um ein bisschen darüber zu sprechen. Ein bisschen aufzuklären, wie kann ich mich schützen. Vor allem Kinder und Minderjährige, die da eben sehr schnell betroffen sind. Wir haben alle unser Handy dabei. Das ist eigentlich die Spielplattform schlechthin. Du kannst in den App-Store gehen. Egal, ob bei Apple oder Android. Mit einem Klick hast Du in den meisten Fällen ein kostenloses Spiel heruntergeladen. Und dann geht es eigentlich los. Wenn Du da Deine Kreditkarteninformationen hinterlegt hast, dann ist das ja meistens nicht mal mehr ein Klick, sondern Du hast Deinen Finger drauf und nach dem Finger-Scan ist die Kohle weg. Wie kann man sich denn da am besten schützen bzw. gibt es da irgendwelche Tipps oder Ratschläge?

00:07:06: Ich würde zuerst kurz einen Schwenker zum Widerrufsrecht machen, weil grundsätzlich ist es ja so, wenn ich online etwas einkaufe. Jetzt mal nicht in einer App, sondern ich kaufe mir irgendwie ein Pulli oder so auf einer Online-Plattform. Der kommt an und der passt mir nicht oder gefällt mir nicht. Dann habe ich ja normalerweise 14 Tage Widerrufsrecht in der kompletten Europäischen Union. Ohne Grund kann ich die Ware einfach zurücksenden und bekomme den Kaufpreis erstattet. Jetzt ist es aber so, dass es Ausnahmen vom Widerrufsrecht gibt. Unter anderem können die für digitale Inhalte das Widerrufsrecht ausgeschlossen sein. Warum? Naja, wenn ich einen In-App-Kauf getätigt habe und dann direkt diesen digitalen Inhalt auf meinem Handy habe oder direkt nutzen kann, dann kann ich es ja nicht mehr zurückgeben. Das heißt: Das Unternehmen hat quasi die Macht darüber verloren, ob ich das Produkt weiternutze oder zurückgebe. Das ist ein bisschen schwierig. Deswegen, sobald man darauf zugreift, ist es normalerweise ausgeschlossen. Ich sage normalerweise, weil der Verkäufer darauf hinweisen muss. Der hat eine Informationspflicht, dass der Käufer oder die Käuferin Bescheid weiß, wenn ich jetzt dieses Spiel kaufe oder herunterlade und Zugriff darauf habe, dann habe ich kein Widerrufsrecht mehr. Bei den meisten Plattformen ist es so, dass man erst das Spiel kauft und es dann herunterlädt. Bei In-App-Käufen ist es meistens nicht so. Da hat man es direkt und da muss man dann Zugestimmt haben. Sei es mit Häkchen oder wie auch immer, dass man eben dann auf dieses Widerrufsrecht verzichtet oder es eben nicht hat. Aber wenn man es zuerst kauft und dann erst herunterladen muss, dann ist es meistens so, dass man bevor man es herunterlädt es noch zurückgeben kann. Und dann noch das Widerrufsrecht hat. Das war jetzt der juristische Schwenker. Ich entschuldige mich.

00:08:40: Kein Problem. Also, vielleicht noch mal kurz zusammengefasst: Wenn ich mir jetzt auf einer Konsole oder auf dem PC ein Spiel herunterlade und ich es noch nicht angezockt habe, kann ich es nicht zurückgeben.

00:08:50: Ja, man muss aber darauf hingewiesen worden sein, dass das Widerrufsrecht dann erlischt. Es ist aber meistens so bei den großen Anbietern. Die wissen das und dann setzt man sein Häkchen und hat das dann auch akzeptiert.

00:09:01: Und das heißt: Wenn ich jetzt aber 1-2 Minuten schon so mal angetestet habe, dann ist eigentlich schon schluss und dann kommt es auf die Kulanz an. Oder man muss halt schauen, ob der Anbieter / Anbieterin entsprechend eben...

00:09:16: Man hat dann kein Recht mehr, sondern muss wirklich diskutieren und schauen, ob das Unternehmen vielleicht auf eine Kulanzlösung sich einlässt, aber das funktioniert genauso bei Streaming. Wenn man jetzt einen Film kauft und anfängt den anzuschauen, dann kann man ihn schon nicht mehr zurückgeben. Wenn man noch nicht angefangen hat den anzuschauen, gilt im Prinzip noch das Widerrufsrecht.

00:09:32: Also heißt nur für gekaufte Filme dann? Weil wenn du Streaming, wie Netflix oder so, da hast Du ja ein Abo. Aber, wenn Du einen Film kaufst oder ausleihst?

00:09:43: Bei Amazon zum Beispiel kann man ja Filme kaufen. Und wenn man da noch nicht angefangen hat den Film anzuschauen, dann kann man ihn im Prinzip zurückgeben.

00:09:50: Ah. Das ist doch mal eine hilfreiche Info, die man vielleicht so noch nicht gewusst hat. Und wenn wir jetzt noch mal auf die In-App-Käufe zurückkommen. Wir haben ja gesagt, es ist wirklich sehr leicht dort Geld auszugeben, weil es eben auch kleine Beträge sind. Und man da relativ schnell auf den Knopf drücken kann und dann ist das Ding gekauft.

00:10:11: Ja, gerade bei Handys.

00:10:13: Gerade bei Handys. Genau. Wir haben das ja jeden Tag dabei und wenn dann eben irgendwie mal noch Mamas oder Papas Kreditkarte hinterlegt ist, dann ist das natürlich noch mal ein ganz anderes Problem. Aber wie sieht es denn da rechtlich aus? Muss ich als Elternteil dafür geradestehen, wenn mein Kind oder der Jugendliche oder die Kinder - je nachdem wie viele man hat - muss man dann dafür geradestehen und die Rechnung bezahlen?

00:10:36: Bei Minderjährigen ist es grundsätzlich so, dass die Altersschwelle sieben Jahre ist. Das heißt: Bevor man sieben ist, kann man eigentlich keinen Vertrag wirksam abschließen. Und ab sieben Jahren, das nennt man beschränkt geschäftsfähig. Das bedeutet, ab sieben braucht man trotzdem noch die Zustimmung oder die Genehmigung der Eltern oder des Elternteils, um einen wirksamen Vertrag abzuschließen. Also wenn jetzt ein unter siebenjähriges Kind ein eigenes Konto hat bei einer App oder so und sich dann einen In-App-Kauf oder irgendwas kaufen möchte, dann ist das grundsätzlich nicht wirksam. Und über sieben bräuchte es dann eigentlich das Einverständnis der Eltern. Wenn es aber ein Handy zur Verfügung gestellt bekommt und dann irgendwie eine Prepaidkarte hat oder so, dann wird man davon ausgehen, wenn es das mit seinem Taschengeld jetzt quasi kauft, dass das Einverständnis vorliegt. Viel schwieriger wird es, und das hast Du bereits angesprochen, wenn dann das Handy und der Account der Eltern benutzt wird. Also man gibt kurz sein Handy ans minderjährige Kind und dann wird eingekauft, was das Zeug hält. Wir haben hier auch tatsächlich Fälle und es geht oftmals, also wie gesagt. Das sind an und für sich kleinere Beträge. Ein paar Euro. Aber am Ende des Monats kommt dann die Rechnung und dann sind es über 1000 Euro. Da gibt es mehrere Fälle. Immer wieder hört man es auch in den Medien, wo es dann um 2000, 3000 Euro plötzlich sind und den Eltern wird heiß und kalt, weil denen nicht bewusst war, was das Kind auf dem Handy macht. Ich meine, klar leiht man mal kurz sein Handy, wenn man irgendwie Wartezeit hat oder es liegt halt rum und das Kind schnappt sich das Handy. Das ist jetzt nicht unwahrscheinlich. Das kommt schon vor. Das Wichtigste ist natürlich immer ein Passwortschutz oder am besten gar nicht erst Zahlungsdaten hinterlegen.

00:12:15: Und vielleicht auch gar nicht den Kindern Bescheid sagen, was das Passwort ist.

00:12:17: Das ist ganz, ganz, ganz wichtig tatsächlich. Wenn das Kind unbeaufsichtigt einen Kauf tätigt, im Prinzip ist es dann so. Gut, es ist der Account der Eltern, aber über sieben braucht es eigentlich die Zustimmung, die Genehmigung der Eltern. Und deswegen, wenn das mal vorkommt, kann man da widersprechen. Und da sollte man sich beeilen. Sobald man sieht, dass ich die Rechnung bekommen habe, sei es am Ende des Monats oder direkt, dass ich mich beim Unternehmen melde und sage, das war nicht ich. Das war mein minderjähriges Kind. Ich stimme dem Kauf nicht zu. Ich möchte entweder erstattet werden oder die Rechnung nicht bezahlen. Je nachdem, welche Fallkonstellation wir haben. Das sollte man auf jeden Fall so deutlich kommunizieren. Das Problem ist, dass die Unternehmen meist in erster Linie das ablehnen und sich darauf berufen: Das war Ihr Account und Ihr Zahlungsmittel. Ich kann ja nicht wissen, wer...

00:13:02: Wer den Kauf tätigt.

00:13:04: Genau. Wer auf der anderen Seite des Bildschirms sitzt. Aber wenn das mal vorkommt, und wir haben wirklich oft solche Fälle, dann kann man im Prinzip der Rechnung widersprechen oder die Erstattung verlangen. Problem ist, wenn man davon ausgehen konnte, dass die Eltern einverstanden waren. Wann ist das der Fall? Das ist erst mal, wenn ein Passwortschutz vorhanden war und die Eltern dem Kind das Passwort gegeben haben für eine Zahlung. Dann wird es schwierig. Oder die Kreditkartendaten einfach gegeben haben. Dann wird es total schwierig, weil dann wussten ja die Eltern, dass das Kind irgendwie eine Zahlung machen will. Und dann zu sagen im Nachhinein: Ja, ne. Eigentlich wollte ich das doch nicht. Das wird total schwierig. Auch von der Beweislage ist das sehr, sehr schwierig in dem Fall. Und außerdem, und das ist leider meistens der häufigere Fall, wenn man seine Rechnungen nicht regelmäßig anschaut, seine Kontobewegungen nicht regelmäßig anschaut - das sollte man natürlich immer tun - und dann erst nach Monaten ankommt, wo regelmäßig Zahlungen getätigt wurden vom Kind und dann widersprechen möchte. Dann kann man auch sagen, wenn das regelmäßig passiert. Da sollte man schon ein Auge darauf haben. Und dann kann man sich nicht nach Monaten melden und dann widersprechen. Das sollte schon zügig passieren.

00:14:12: Ok. Man kann jetzt nicht einfach sagen, ich hab mir jetzt die letzten zehn Wochen ein paar In-App-Käufe gegönnt und da habe ich jetzt aber kein Bock mehr drauf und möchte das Geld zurück. Das geht dann natürlich nicht. Wenn da eine Regelmäßigkeit dahinter ist, dann geht auch das Unternehmen davon aus, dass da absichtlich eingekauft wurde.

00:14:28: Genau. Ein Ausrutscher kann durchaus passieren. Das ist auch der Rechtsprechung zum Glück bewusst. Wir haben einen guten Minderjährigen-Schutz in Deutschland bei den Gerichten. Aber wenn das regelmäßig passiert. Man geht halt davon aus, wenn das einmal passiert, dass die Eltern entweder einen Passwortschutz einbauen oder darauf achten. Oder mit dem Kind regeln, dass das nicht mehr passiert. Es genug aufklären. Aber wenn es dann noch häufiger passiert, dann waren die Eltern einfach fahrlässig und irgendwo einverstanden.

00:14:56: Also regelmäßig die Rechnung checken. Schauen, ob irgendwelche Kontobewegungen stattgefunden haben, die nicht hätten stattfinden sollen.

00:15:04: Und am besten im Vorfeld keine Zahlungsmittel einspeichern oder halt ein Passwortschutz. Und das Passwort bitte nicht weitergeben. Ansonsten kann man, wenn man so ein paar Käufe dulden möchte. Dann kann man das mit Prepaidkarten machen. Dann schenkt man eine Prepaidkarte. Die kann man im Einzelhandel oder in Tankstellen kaufen. Und dann hat man so einen beschränkten Betrag, wie 15 Euro oder 10 Euro und das darf das Kind dann frei ausgeben. Aber dann hat man immer noch eine gewisse Kontrolle.

00:15:30: Jetzt kommen wir noch zu einem Thema, was auch in der Gaming-Szene nicht ganz so gern gesehen wird. Und zwar das Thema Lootboxen. Ist ja aber auch nicht nur in der Gaming-Szene, sondern es gibt viele Kritker, die dieser Spielmechanik glücksspielähnliche Funktionsweisen nachsagen.

00:15:45: Jonas, willst Du erzählen, was Lootboxen sind?

00:15:48: Lootboxen sind Beutekisten, die man sich kaufen kann, entweder für echtes Geld oder wenn man bestimmte In-Game-Währung sich freigespielt hat. Und da bekommt man dann manchmal sehr seltene Items (Gegenstände). Warum sage ich manchmal? Es liegt daran, dass es bestimmte Prozent-Chancen gibt, dass man eben ganz, ganz spezielle und einzigartige Items bekommt. Und daher wahrscheinlich auch eher diese Einordnung in Richtung Glücksspiel. Nur weil Du Dir eine Lootbox kaufst, heißt das nicht, dass Du direkt den Gegenstand oder den Skin oder das Item bekommst, was Du haben willst. Sondern es kann sein, dass Du dafür mehrmals ordentlich Geld ausgeben musst.

00:16:28: Genau. Wenn man zum Beispiel den einen seltenen Fußballspieler haben möchte und seine perfekte Fußballmannschaft zusammenstellen möchte, dann kann man da ordentlich Geld ausgeben. Und, wie Du schon gesagt hast, ähnlicher Mechanismus wie beim Glücksspiel. Man hat eine gewisse Chance. Geld ausgeben muss man immer. Egal, ob man gewinnt oder nicht. Und so funktioniert das eigentlich auch. Nur, dass Spiele oftmals auch für Minderjährige erlaubt sind. FIFA.

00:16:54: FIFA ist ab 0. USK 0. Das ist ein Sportspiel.

00:16:57: So, und da gibt es durchaus Lootboxen. Es ist schon die Kritik laut, dass man sagt, dass man in dem Alter bereits mit solchen Mechaniken, so ein bisschen Manipulation böse gesagt, konfrontiert wird. Das ist fragwürdig. Tatsächlich sehen das Belgien und die Niederlande auch so. Die haben nämlich Lootboxen jetzt offiziell als illegales Glücksspiel kategorisiert. Also die Spiele gibt es dann immer noch in Belgien und in den Niederlanden, aber ohne die Lootboxen-Funktion. Oder aber die Lootboxen sind durchsichtig bevor man sie kauft, sodass man genau weiß, wofür man Geld ausgibt. Da wurden nur die Spielmechanismen geändert, was übrigens auch bedeutet, dass das durchaus möglich ist. Das Spiel wurde nicht komplett rausgenommen vom niederländischen und belgischen Markt.

00:17:38: Ich glaube sogar, dass die den Ultimate-Team-Teil, wo man diese Spielerkarten in dem Fall kaufen kann, dass der einfach nur deaktiviert wurde. Und, dass die Spieler in Holland und Belgien keinen Zugang mehr zu dem Spiel-Typ haben. Also die können kein Ultimate-Team mehr spielen, aber sie können das ganz normale FIFA zocken.

00:17:55: Also wir nennen FIFA als Beispiel natürlich, gilt das für alle anderen Spiele genauso. FIFA ist nur ein bekanntes Spiel und ab 0 Jahren spielbar im Prinzip, ohne Altersbeschränkung. Deswegen zeigt es die Problematik ganz gut auf.

00:18:10: Es ist ja auch bei vielen Battle-Royale-Spielen mittlerweile der Fall, dass Du entsprechend Lootboxen kaufen kannst. Einfach um da noch ein paar Beispiele zu nennen: Fortnite. Ist auch sehr bekannt bei Kindern und Jugendlichen. Ist eigentlich nichts anderes als ein rundenbasierter Shooter, wo der letzte Überlebende das Spiel gewinnt. Und da kann man eben auch ganz viele Inhalte, In-App-Käufe machen. Ich weiß gar nicht, ob es noch fürs Smartphone erhältlich ist, aber auf der Nintendo Switch, also auf eigentlich allen spielbaren Plattformen: Switch, Playstation, Xbox, PC. Kostenlos runterladen und dann kann man eigentlich kostenlos loszocken, wie Du es vorhin angesprochen hast.

00:18:47: Vermeintlich kostenlos!

00:18:50: Man kann aber auch sehr viel Geld dabei ausgeben.

00:18:51: Ganz genau. Und bei Lootboxen...in Deutschland ist es umstritten bei Jurist:innen. Es ist nicht als Glücksspiel kategorisiert. Illegal ist es nur dann, wenn man offiziell ein Glücksspiel betreibt, braucht man eine Glücksspiellizenz. Und die ist teuer. Und das Spiel darf nur ab 18 Jahren sein. Und es wäre natürlich für die Spielbranche natürlich fatal.

00:19:17: Wird das irgendwie mal angegangen von der Politik, oder?

00:19:20: Das ist eine gute Frage. Es ist wirklich sehr, sehr umstritten. Es gibt zwei Teams, um in FIFA-Sprache zu bleiben. Wie es sich entwickelt kann man wirklich nicht vorhersagen. Wie gesagt, Niederlande und Belgien haben es jetzt eiskalt durchgesetzt und es funktioniert. Die Spiele sind immer noch verfügbar in einer gewissen Art und Weise. Es ist denkbar, aber ich glaube, das ist auch ein politisches Thema. Dass man halt auch schaut, das ist eine riesen wirtschaftliche Branche und die Einstufung ist einfach strittig.

00:19:51: Es bleibt spannend. Du hast es gesagt. Es gibt europäische Beispiele, wo es klappt. Und die Spiele sind immer noch verfügbar. Aber wir wissen auch, dass Entwickler daran interessiert sind, so gut es geht Geld zu verdienen. Die Frage ist halt immer nur, wie es dann im Endeffekt umgesetzt wird. Jetzt vielleicht nochmal zum Abschluss. Hast Du noch ein paar Tipps, die Du uns mit auf den Weg geben kannst. Wie kann ich mich vor In-App-, In-Game-Käufen schützen?

00:20:18: Entweder keine Zahlungsmittel hinterlegen. Ich sage es zum achten Mal, aber wirklich. Das ist die beste Lösung. Und ansonsten, klar. Wenn es um Minderjährige, um Kinder geht, Aufklärung. Einfach offen darüber reden. Ob das Kind so einen Kauf tätigen möchte und warum. Wir reden gerade auch sehr kritisch über Lootboxen und In-App-Käufe, aber verteufeln wollen wir es auch nicht. Wir spielen beide gerne, Jonas und ich. Wir sehen auch die riesen Vorteile. Gerade während Corona war das eine total gute Möglichkeit mit Freunden in Kontakt zu bleiben mit Online-Spielen. Heutzutage muss man nicht mal mehr seine PCs rumschleppen für eine LAN-Party, sondern man kann schön daheim bleiben und zusammen spielen. Und das macht unheimlich Spaß. Und gerade mit Corona. Mit dem Lockdown war das auch eine schwierige Zeit. Und da kann man gut Dampf ablassen. Das war auch eine der Hobbys, die noch weniger eingeschränkt waren zum Glück. Deswegen. Verteufeln wollen wir das nicht. Wir wollen aber auch darauf hinweisen, dass es ein paar Fallen gibt. Natürlich gibt es auch Spielsucht. Das ist jetzt nicht unser Thema, aber das muss auch jedem bewusst sein, dass es Gefahren gibt, wie bei allem. Ich trinke auch gerne abends ein Glas Rotwein und dennoch muss man sich im Klaren sein.

00:21:28: Es kommt einfach immer auf die Menge drauf an.

00:21:29: Genau. Dass es aufs Maß ankommt. Wenn man Käufe vermeiden möchte, wie gesagt, Kommunikation, Transparenz, miteinander reden. Das ist glaube ich das A und O. Und dann Passwortschutz ist eine riesen Hilfe. Und dann bitte nicht Passwort: 123 oder das Geburtsdatum, sondern ein richtiges Passwort. Ein schützendes Passwort. Und dann steht dem Spielspaß eigentlich nichts mehr im Wege.

00:21:50: Ich fand den einen Punkt, um den noch mal kurz aufzugreifen, das Thema man sollte sich damit auseinandersetzen und miteinander reden. Ich denke da ist auch ein wichtiger Aspekt Medienkompetenz. Also, dass die Erziehungsberechtigten, sich auch entsprechend mal damit auseinandersetzen. Ich kenne die Generation: meine Eltern, meine Großeltern. Die sind damit nicht aufgewachsen. Muss man einfach so offen und ehrlich sagen. Wir sind jetzt so die Generation, die das die ganze Jugendzeit mitgenommen hat. Und wahrscheinlich sind wir in ein paar Jahren auch nicht mehr so up to date, wo uns dann unsere Kinder vielleicht mal anschauen und sagen: Wie kannst Du nicht wissen, wie das funktioniert. Man sollte sich tatsächlich, auch wenn es auf den ersten Blick ein bisschen abstrakt für jemanden ist, der sich nicht damit auskennt. Aber man sollte sich auf jeden Fall die Medien anschauen, die das eigene Kind nutzt. Sich da auf jeden Fall austauschen. Du hast gesagt, miteinander in Kommunikation treten. Man sollte sich immer austauschen: Um was geht es denn in dem Spiel? Was spielst Du eigentlich gerne?

00:22:49: Was gefällt Dir daran? Und es gibt auch ganz viele Spiele, die man gemeinsam spielen kann. Also das auch nicht von vornherein ablehnen, sondern auch schauen, wie man da interagieren kann. Und das kann auch unheimlich viel Spaß machen. Auch wenn man es selber noch nicht kennt. Dann lernt man es eben kennen.

00:23:02: Man kann immer was dazu lernen. Dann bedanke ich mich bei Dir für diese tolle Folge. Hat super viel Spaß gemacht.

00:23:08: Ich danke Dir.

00:23:10: Und in unserer nächsten Folge geht es um das Thema: Jugendschutz und Gaming. Also wir bleiben in dieser Gaming-Schiene jetzt erstmal drin und freuen uns dann, wenn Du nächstes Mal wieder reinhörst. Bis dann. Ciao.

00:23:21: Tschüss.

Über diesen Podcast

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"Hilfe, mein Toaster brennt!" ist ein Podcast des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschland.

von und mit Nina Zeindlmeier

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